Die CD des Duos „Lyrik und Laute“ präsentiert einen „Weltenspiegel“ von Gedichten von und mit Christine Kahlau, 
die mit musikalischen Intermezzi von Olaf Garbow begleitet wird. Kleine Gedichte von Christine Kahlau sind Beobachtungen des Alltags, in dem sie sich selbst zugleich wahrnimmt und beschreibt.Oft werden Unwägbarkeiten beschreibend abgewogen, Rätsel bleiben offen.

Wie nehmen wir die Welt wahr? Wie verhalten wir uns als Wahrnehmender? Wie verändert sich die Wahrnehmung, wenn wir einen Blinden führen? 
Alle Unebenheiten bekommen eine neue Qualität. Das Erstaunen über die Reaktion der Zuhörer bei einem Auftritt und ihr Beifall löst das Verschmolzensein
mit dem Inhalt und erzeugt so Irritationen.

Die Wahrnehmungen von Männern und Frauen werden aus der Sicht einer Frau geschildert. Männer, alle Männer, hätten etwas Lächerliches, trotz ihrer Wichtigkeit.Frauen bemerken nicht, wie männlich sie sich geben.

Gedichte und Musik lassen Momente der Liebe aufscheinen, Frösteln und Tränen bei der Andeutung eines Racheaktes im winterlichen Stk. Petersburg.Die Rede ist von Gefühlskälte und Schmerz, vom Frost und vom Schnee sowie vom Sich-selbst-Genügen einer Porzellanfigur.

Christine Kahlau spürt überraschende und ganz einzigartige Gedanken zu ihren Alltagswahrnehmungen auf: 
Diese kleinen Gedankenbilder sind die Zierde eines lyrisch gestimmten Sensoriums – wie 
kleine Knospen philosophischer Einsichten, aufleuchtend im Alltagsgewirr. 
Sich auflösende Bilder kristallisieren sich zu neuen.

Die Aufnahmequalität ist gut, die Stimme der Dichterin ist bestimmt und zugleich von bescheidener Nüchternheit, 
das Sosein des Daseins fast neutral beschreibend, die Gefühle zu Akzenten stilisierend, 
hindurchschimmernd eine unbegreifliche oder unbegriffliche Weisheit, die allem individuell Erlebten innewohnt. 
Die Zeilenwerden  durch den vollen Klang ihrer Stimme belebt. 
Als Vortragende ist sie im Flow, alles fließt hier auf besondere Art zusammen, das Persönliche und das Unpersönliche. .

Olaf Garbow umgarnt und untermalt die Gedichte mit verschiedenen Musikinstrumenten, wie Gitarre, Sansoula, 
Maultrommel, Rahmentrommel, Steinschlag und anderen. Er pfeift und singt verschmitzte Lieder. 
Eine Reise durch die Klänge, die zum Lauschen und zum Besinnen motiviert.

Lyrik und Laute erweckt in mir alle Gefühle, die Überraschung, die Trauer, die Freude, die Liebe, das Lachen. 
Darum ist sie hörenswert.

© Markus Virck – 17.09.2013

 

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