Lesung zur Ausstellung „Ursprünge“, bei EWA e.V. (gekürzt)

Mit Gedichten ist das so eine Sache. Nicht jeder mag welche. Und heutzutage, so höre ich oft, scheuen sich die Leute, welche zu lesen.
Natürlich mag dann wiederum nicht jeder jedes Gedicht. Und inzwischen gibt es ja auch Poetryslam.
Und dann die Menschen, die Gedichte schreiben. Vielleicht gibt es davon mehr, als von denen, die Gedichte lesen… Wie gelingt es nun, daß andere Menschen freiwillig lesen, was man schreibt? Die Rede ist nicht davon, was in der Schule gelesen werden muß. Sondern davon, was andere freiwillig und mit Lust auf sich nehmen, zu lesen. Manchen ist sogar wichtig, die Autoren einmal persönlich zu erleben, falls es sich dabei um noch lebende Exemplare handelt. Beim Poestryslam ist das in der Regel möglich.

Oft wünschen sich diejenigen, die schreiben, daß überhaupt jemand bemerkt, was sie tun. Das es nicht in einem Niemandsland verhallt, das eigene Wort… So ein Gedicht ist doch ein Angebot. Und wen es erreicht, der liest oder läßt es sich vorlesen. Es gibt auch Verrückte, die geben Geld aus, um Gedichte mit nach Hause zu nehmen!
Dies gehört zur geschäftlichen Seite, wo es für den Autor, die Autorin existenziell wichtig wird. Denn von irgendwas will man auch leben… Doch abgesehen vom Geschäftlichen freut es mich, wenn Andere sich auf das von mir Geschriebene beziehen. Sei es mit ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Musik oder mit ihren Illustrationen – so Schönen, wie sie in der Ausstellung mit den Druckgrafikfrauen zu sehen sind!

Für mich ist es dann wie eine weitere Sichtbarmachung des Geschriebenen. Natürlich bestimmt und geprägt durch die hier schaffende Person, durch deren Technik und Ausführung etwas Neues, Eigenes entsteht. Und auch durch ihre eigene, ganz persönliche Sicht auf das Thema. Also, es gibt diesen Bezug doch – zum Gedicht. Das empfinde ich als sehr ermutigend. Denn es ist auch ein Dialog, dieses Aufeinanderbezogensein. Eben weil so oft behauptet wird: Gedichte werden nicht mehr gelesen. Das verkauft sich nicht. Damit rechnet es sich auch nicht. Doch was wir hier erleben, ist: Es wird gelesen, es regt an und erfreut jetzt auch die Schauenden – unabhängig vom Umstand des sich Rechnens…

Dezember 2011, Berlin