Im Sommer 2013 nahm ich zusammen mit Andreas Monning an einem Schreibwettbewerb teil, der jährlich ausgerufen wird
vom Nachbarschaftshaus Rudi, in Friedrichshain.

Thema: Schönes neues Ostkreuz

Wir trafen uns dazu einige Male mit den Rädern,
erkundeten die Gegend rund um‘ s Ostkreuz und
mailten uns anschließend unsere Eindrücke und Gedanken zu.
Daraus entstand eine Art Dialog über das jetzige Ostkreuz.

Diesen Text schickten wir ein unter dem Titel:
2x Ostkreuz und zurück.

Unser Dialog wurde aufgenommen in die aktuelle Antologie.

Es folgt ein Ausschnitt:


Andreas

„He, Christine, sehr geehrte Seismographin, ich glaube wir müssen uns mal kurz verständigen: Ist Ostkreuz jetzt die S-Bahnstation – oder die Gegend? Von wegen wohnen!? Im Hauptbahnhof sind Büros, aber in der S-Ostkreuz soweit ich weiß nicht, auch keine Wohnungen. Obwohl es jetzt, wo ich es sage, nach einer tollen Idee klingt. Sagen zu können „Ich wohne im Ostkreuz! Und sehe von oben herab die Bahnen in alle Himmelsrichtungen entgleisen. Oder sagt man davongleisen? Jedenfalls könnte man kaum verkehrsgünstiger angebunden wohnen.

Apropos verkehrsgünstig und wohnen: Bei unserer Ortserkundung letztens hatte ich schon stark den Eindruck, dass das aufgepeppte neue Ostkreuz wohl was mit den vielen schicken Neubauten an der Rummelsburger Bucht zu tun hat. Von wegen Entwicklungsbedarf, Aufwertung, Infrastruktur pipapo. Umso famoser so gesehen, dass wir am Markgrafendamm – das Ostkreuz vis a vis – im Sandkasten des Technoclubs gesessen haben, wo ganz klar noch nix von neu und teuer zu spüren war. Obwohl… Um die Ecke gedacht könnten das natürlich genau die Vorboten des neuen Schicks sein. Die als Raumpioniere die Gegend aufwerten und so lange bleiben dürfen, bis das Kapital Interesse anmeldet. Und dann: Wie Magnet und Knaack auf dem Prenzlauer Berg. Prrrt!“

 

Christine

„Lieber Andreas, mitnichten bestand und besteht (das?) Ostkreuz nur aus Bahnhof! Dafür spricht z.B. was es hier – parallel neben investorischem Begehren und Gebaue so alles an bürgerschaftlichem Engagement gibt – und das reicht bis hin zur Rummelsburger Bucht! Übrigens wurde hier landeseigenes Gelände verschachert – für das Neue Wohnen am Wasser, inmitten Berlins! Also, noch aufgewerteter geht es wohl kaum… Zu Deiner Idee, in nem Bahnhof zu wohnen – fällt mir ein, was mir ein älterer Schwuler mal erzählte: zu Ostzeiten, als der Bahnhof Ostkreuz schon alt und ziemlich runter war, gab es dort ein Klo auf dem unteren Bahnsteig. Wenn ich mich recht erinnere, mußte frau sich den Schlüssel bei der Bahnaufsicht holen. Was an sich schon umständlich war, erst recht, wenn man mit kleinen Kindern unterwegs war, die plötzlich ganz schnell mal mußten, „groß“ natürlich… Auf dem Männern-Klo dagegen ging es – offensichtlich ohne Schlüsselzwang – zu manchen Zeiten dafür hoch her, nach der Beschreibung. Auf die genaueren Details dieses Schnell-Befriedigungs-S-Bahn-Kreuz-Herrganges habe ich dann lieber verzichtet.

Noch etwas zum Seismografischen: Ich denke die Gegend um Ostkreuz tatsächlich immer mit. Wenn man lange genug in einer Stadt verbleibt, bekommt man auch die regionalen Veränderungen dort mit, ob man will oder nicht. In meinem Leben gibt es zahlreiche Bezüge zum Ostkreuz, zu den verschiedensten Zeiten. Und egal von welcher Seite ich mich dieser Region nähere, es hat sich grundlegend gewandelt. Und – es läßt mich auf jeden Fall nicht los, dieses Ostkreuz, warum auch immer…“

weiterlesen hier: Ostkreuz_2x_kurz

Den vollständigen Text finden Sie in der Antologie, erhältlich bei „Rudi“